Breadcrumb

Wenn Vergessen zum Alltag wird: Alzheimergesellschaft StädteRegion Aachen hilft. Unterstützung von der StädteRegion.

StädteRegion Aachen. Die an Demenz erkrankte Frau war mit ihrem Mann gemeinsam zur Tanzveranstaltung nach Aachen gekommen. Erst stand sie rund eine Stunde lang mit verschränkten Armen und völlig teilnahmslos in der Ecke. Doch als der DJ „I can´t get no satisfaction“ von den Rolling Stones auflegte, ging sie plötzlich auf die Tanzfläche und fing an, zu dem Rock-Klassiker zu tanzen. „Man sah ihr an, dass sie sich in ihre Jugendzeit zurückversetzt fühlte und merkte deutlich, wie glücklich sie war“, sagt Uli Tischler, die für die Alzheimergesellschaft StädteRegion Aachen das „Tanzen nach Herzenslust“ in Aachen organisiert. Hier werden übrigens vor allem Rock und Pop-Hits der 60er bis 80er Jahre gespielt. „Das sind genau die Lieder, die die heute über 65-jährigen in ihrer Jugend gehört haben.“

Das ist nur eine kleine Episode, die aber schon klarmacht, wie vielfältig die ehrenamtliche Arbeit der Alzheimergesellschaft in der StädteRegion Aachen ist. Knapp 100 Mitglieder stemmen dabei Aufgaben, die immer umfangreicher werden. „In der StädteRegion Aachen leben derzeit rund 11.000 Menschen, bei denen Demenz diagnostiziert ist. Im Durchschnitt gibt es je zwei eng begleitende Angehörige. Das macht rund 33.000 Menschen, die bei uns hier vor Ort von dem Thema betroffen sind“, macht die Vorsitzende der Alzheimergesellschaft StädteRegion Aachen, Ursula Kreutz-Kullmann, die vielen so nicht bewusste Dimension klar. „Und das ist ja nicht das Ende der Fahnenstange. Die Zahl der erkrankten Menschen steigt kontinuierlich.“

Aktive der Alzheimergesellschaft haben sich jetzt auf Vermittlung des städteregionalen Ehrenamtsbeauftragten, Theo Steinröx, mit Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier getroffen. Denn auch die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer brauchen Hilfe. Kreutz-Kullmann: „Wir sind in der gesamten StädteRegion Aachen aktiv und bieten viel für Angehörige, aber auch Betroffene selber an. Um das alles weiter leisten zu können, sind wir für jeden dankbar, der sich bei uns ehrenamtlich einbringt.“

Denn die Termine und Aufgaben nehmen immer weiter zu. Die Arbeit, das betonen alle Helferinnen und Helfer unisono, sei sehr bereichernd: „Ich brauche eigentlich immer einen kleinen Ruck, weil die Arbeit auch anstrengend ist“, sagt beispielsweise Hannelore Schwade, die für die Selbsthilfegruppe Eschweiler-Stolberg den monatlichen Spaziergang mit Kaffeetrinken im Eschweiler Wald organisiert. „Das ist aber ein Geben und Nehmen, denn hinterher geht es mir auch immer gut. Ich weiß ja dann, dass ich etwas Nützliches, ja Wertvolles für die Menschen getan habe.“

Ganz wichtig sind auch die Gesprächskreise für Angehörige, die neben der individuellen Beratung das Grundgerüst der Vereinsaktivitäten bilden. „Man sollte sich vor Augen führen, dass man selbst auch einmal betroffen sein kann, ob als Angehöriger oder Erkrankter. Es wäre wirklich gut, wenn sich noch einige Menschen finden, die mithelfen“, macht Kreutz-Kullmann klar, dass man über jede Hilfe dankbar ist.

Die Organisation von Aktivitäten nimmt zudem immer größeren Raum ein. Und so „träumt“ die Alzheimergesellschaft von eigenen, zentral gelegenen Räumlichkeiten, die auch eine wichtige Anlaufstelle für die Bevölkerung sein könnten. „Ich denke, dass ich dabei helfen kann, das zu ermöglichen“, sagte Dr. Grüttemeier in dem Gespräch direkt seine Unterstützung zu. Spruchreif ist noch nichts, aber Grüttemeier ist optimistisch: „Ich glaube, dieses Problem können wir im Sinne der vielen Betroffenen lösen.“

Schmunzelnd ergänzte Schatzmeister Heinz Bekeschus, dass auch Unterstützer außerhalb des politischen Raumes herzlich willkommen sind. „Zum Beispiel Firmen, Krankenhäuser, Senioreneinrichtungen oder Gastwirte, die sich mit unseren Zielen identifizieren und uns durch ihre Mitgliedschaft unterstützen – oder indem sie uns Räumlichkeiten für unsere Aktivitäten günstig überlassen“.

Positiv entschieden wurde erst vor kurzem auch der Antrag der Alzheimergesellschaft auf finanzielle Unterstützung durch die StädteRegion Aachen. Die Fraktionen haben mit großer Mehrheit beschlossen, die Förderung von rund 6.500 € in den 2019er Haushalt aufzunehmen. „Das ist kein Automatismus für die Folgejahre, aber dennoch bin ich positiv gestimmt, dass die Politik auch künftig die Notwendigkeit zur Unterstützung für diese enorm wichtige Aufgabe sieht“, macht Theo Steinröx Hoffnung auf Kontinuität.

Sehr positiv sahen alle Beteiligten, dass es zu diesem direkten Austausch gekommen ist. Eine Bitte hatte der Städteregionsrat aber zum Schluss noch an die Ehrenamtler: „Ich habe hohen Respekt vor ihrem beeindruckenden Engagement. Bitte machen Sie im Sinne der Betroffenen und Angehörigen weiter. Wir können gerade an dieser Stelle nicht auf den ehrenamtlichen Einsatz verzichten!“
 
Die eingangs beschriebene Frau und ihr Mann sind übrigens jetzt Dauergäste beim „Tanzen nach Herzenslust“. Und in der Ecke steht sie jetzt ganz sicher nicht mehr. Denn alle kennen nun ihre Musikwünsche, ohne dass man noch etwas sagen müsste.

Informationen:
Alzheimer Gesellschaft StädteRegion Aachen e. V.
Josef-von-Görres-Str. 82a
52068 Aachen
www.alzheimergesellschaft-aachen.de
info@alzheimergesellschaft-aachen.de
Tel: 02406/8096866

Spendenkonto bei der Sparkasse Aachen
DE96 3905 0000 1072 9712 43

Veröffentlicht am 13.03.2019

Kontakt

Öffentlichkeitsarbeit
Zollernstraße 10
52070 Aachen
Tel: +49 241 5198-1300

pressestelle@staedteregion-aachen.de