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Ausstellungsprogramm 2024 des Fotografie-Forums. Modefotografie, Sitzbänke und Bilder aus den 30er Jahren.

StädteRegion Aachen. Auch 2024 wartet in Monschau wieder einmal Fotokunst von Weltrang darauf, entdeckt zu werden. Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier und die künstlerische Leiterin des Fotografie-Forums der StädteRegion in Monschau, Dr. Nina Mika-Helfmeier, haben jetzt das Jahresprogramm vorgestellt. In 2024 sind vier Fotoausstellungen zu sehen, die von Nina Mika-Helfmeier kuratiert werden. Dabei kann man fast 100 Jahre alte Fotos ebenso wie Modefotografien, Fotokunst in deren Mittelpunkt eine Sitzbank steht oder auch Werke der berühmten Berliner Fotografin Helga Paris entdecken. Und das, wie gewohnt, bei freiem Eintritt im Monschauer Fotoforum der StädteRegion.

Die erste Ausstellung mit dem vielversprechenden Titel „Wieder-Entdeckt“ widmet sich der Fotografie der 1930er Jahre. Ab Februar werden rund 160 Arbeiten zu sehen sein, darunter zahlreiche Vintages von Fotografinnen und Fotografen, die zum Teil in Vergessenheit geraten sind. Im Rahmen der Ausstellung werden auch Arbeiten von Edith Tudor-Hart (1908 - 1973) gezeigt. Sie war eine österreichisch-britische Exilfotografin. Beeinflusst von den Strömungen der sozialdokumentarischen Fotografie und des Neuen Sehens schuf sie in Wien und England ein bedeutendes fotokünstlerisches Werk, welches sich mit den Themen soziale Ungleichheit, progressive Pädagogik und moderne Architektur auseinandersetzt. Der Titel der Ausstellung soll als Aufforderung verstanden werden, die Fotokunst der 30er Jahre und ihre Brisanz für die Geschichte des 20. Jahrhunderts wiederzuentdecken. Neben spannenden, noch eher unbekannten Arbeiten umfasst die Ausstellung auch zahlreiche ikonenhafte Bilder, zum Bespiel von Walker Evans (1903 -1975), dem Erfinder der Dokumentarfotografie. Er beobachtete den Alltag der einfachen Leute: Arbeiter, Farmer und Handwerker, nicht die Welt der Hochglanzmagazine mit dem Leben der Reichen und Berühmten und zeichnete ein nüchternes und zeittypisches Porträt der armen amerikanischen Landbevölkerung. Es gibt wenige Fotografen, die einen so großen Einfluss auf ganze Generationen nach ihnen hatten. Evans Arbeiten während der Wirtschaftskrise der 1930er Jahren sind Ikonen der Fotografiegeschichte.

Die darauffolgende Fotoausstellung „Bankgeheimnisse“ widmet sich einem ganz besonderen Sujet – der Sitzbank. Meistens fallen die Bänke nur dann auf, wenn man auf ihnen sitzt. Es gibt Parkbänke, Bierbänke, Kirchbänke, Schulbänke und Ruhebänke. Man findet sie in Parkanlagen, in der Innenstadt, an öffentlichen Plätzen oder entlang einer Promenade.  Die Gruppenausstellung umfasst rund 170 Arbeiten von international renommierten Fotografinnen und Fotografen, wie unter anderem Bruno Barbey, Bruce Davidson, Dennis Stock, Elliott Erwitt, Barbara Klemm, Jürgen Klauke, Thomas Hoepker und Leonard Freed. Als ein Bankgeheimnis bezeichnet man eigentlich eine stillschweigend übernommene Verpflichtung der Bank, keinerlei Informationen über Kunden an Dritte weiterzugeben. Das gilt durchaus auch für eine Sitzbank: Niemand hört die Gespräche der Menschen, die auf einer Bank Platz genommen haben. Es gibt viele humorvolle Geschichten und Szenen auf den Sitzbänken in der ganzen Welt, die mit der Kamera festgehalten wurden. Viele schöne, skurrile, witzige und nachdenkliche Bankgeschichten sind in der Ausstellung zu sehen.

Am 23. Juni 2024 wird die umfangreiche Ausstellung mit dem Titel: „Sie muss nicht immer schillernd sein. Modefotografie“ eröffnet. Im Jahr 1856 wurde ein Buch mit 288 Fotografien von Virginia Oldoini, einer toskanischen Adligen am Hof von Napoleon III, veröffentlicht. Die Fotos zeigen sie in ihrer offiziellen Hofgarderobe und machen sie zum ersten Fotomodell und zur meist fotografierten Frau des 19. Jahrhunderts. Ein weiteres Merkmal der ersten Modefotografien dieser frühen Jahrzehnte waren inszenierte Aufnahmen in Fotostudios mit expressiver Lichtregie. Die Modefotografie begann zwischen 1900 und 1930 bekannt zu werden. Das Modell wurde drapiert in fließende Gewänder und in Studios mit Amphoren oder Repliken römischer Büsten abgelichtet. In dieser Zeit entstanden u. a. Arbeiten von Yva und Martin Munkacsi, einige von denen sind in der Ausstellung zu sehen. In den 1940er und 50er Jahren schickten die Fotografen, wie Hermann Landshoff, ihre Modelle auf die Straßen, in die Parkanlagen und an öffentliche Stellen vor historischen Monumenten. Die Aufnahmen aus dieser Zeit verströmen Lebensfreude und Dynamik. „Die Modefotografie der letzten 30 Jahre beschäftigt sich zunehmend mit gesellschaftspolitisch orientierten Themen. Sie wird bunter und schillernder und hat außerdem wachsenden Einfluss auf die Konventionen der Gesellschaft. Die Ausstellung zeigt mit eindrucksvollen Bildern, wie stark die Modefotografie von der Geschichte und gesellschaftlichen Veränderungen beeinflusst ist.“ so Nina Mika-Helfmeier.

Begleitend zu den Ausstellungen bietet das Fotografie-Forum im Rahmen des neu eingerichteten Lernateliers Workshops für Schulen und junge Menschen an. „Mir ist es ein persönliches Anliegen, unseren kulturellen Bildungsauftrag weiter zu stärken, indem wir nicht nur einen niedrigschwelligen Zugang zur Fotografie als Kunstgenre eröffnen, sondern auch das Bewusstsein für den Einfluss von Bildern in verschiedenen Kontexten schärfen und die damit einhergehende Verantwortung thematisieren. Dabei sollen die Fähigkeiten zur kritischen Betrachtung von Bildern gestärkt und die jungen Menschen sensibilisiert werden, bewusste Entscheidungen im Umgang mit visuellen Medien zu treffen,“ so Dr. Tim Grüttemeier.

In der vierten und letzten Ausstellung des kommenden Jahres widmet das Fotografie-Forum seine Aufmerksamkeit dem Lebenswerk der Berliner Fotografin Helga Paris (geb. 1938). Sie beginnt in den frühen 1970er Jahren die Menschen in der Nachbarschaft zu fotografieren. Ihre Motive findet sie in Wohnungen, Kneipen, Pausenräumen und Werkhallen, auf Straßen und Bahnhöfen in Halle, Leipzig, Siebenbürgen, Georgien, Moskau, Wolgograd und New York. Geschult durch die Malerei der Moderne, das frühe sowjetische, italienische und französische Kino, das Theater und die Poesie, entwickelt die Fotografin über Jahrzehnte hinweg ein umfangreiches Œuvre. Es ist die Mischung aus inszenierter Bildkomposition und dem Willem, das gewählte Fotomotiv nicht zum reinen Objekt zu machen, die an Helga Paris‘ Arbeiten faszinieren. Es sind keine dramatisch harten Kontraste, vielmehr ein geradezu erzählerisches Schwarz-Weiß, in das Helga Paris ihre Aufnahmen setzt.

Ausstellungstermine 2024: 

  1. 18.02. – 07.04: „Wieder-Entdeckt. Fotografie der 1930er Jahre“. Walker Evens, Ruth Tudor-Hart, Anton Stankowski und Fide Struck, 
  2. 14.04. – 16.6.: „Bankgeheimnisse“ (Gruppenausstellung)
  3. 23.06. – 15.09.: „Sie muss nicht immer schillernd sein. Modefotografie“ (Gruppenausstellung)
  4. 22.09. – 15.12.: Helga Paris. Fotografien 1968-1997

Info:
Ausstellungsort: Fotografie-Forum der StädteRegion Aachen in Monschau, Austraße 9, 52156 Monschau
info@kuk-monschau.de, Telefon: 02472–803194

Öffnungszeiten: 

  • dienstags bis freitags 14.00–17.00 Uhr
  • samstags und sonntags 11.00–17.00 Uhr
  • montags geschlossen

Der Eintritt ist frei.

Veröffentlicht am 18.12.2023

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