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Geschichten, die Mut machen

Schrecken, Zerstörung, Katastrophe. Viele Menschen in der StädteRegion Aachen haben nach Starkregen und Hochwasser Schlimmes erlebt. Viele erzählen aber auch von sensationeller Hilfsbereitschaft und Hoffnungsschimmern: Von Freunden und Nachbarn, die zusammenhalten. Von unverhofften Angeboten. Davon, was wir schaffen können, wenn wir zusammenhalten!

Das Reisebüro von Nicole Bourbon in Stolberg wurde völlig zerstört. Weil ihre Freunde ihr geholfen haben, konnte sie schon kurze Zeit später ein neues Ladenlokal in Stolberg-Breinig eröffnen.

Familie Robrecht aus Eschweiler berichtet:

„In nur einer Nacht war mein Lebenswerk vernichtet.“ Im Ladenlokal von Klaus Robrecht ist nichts mehr: keine Böden, keine Wände. Nur der blanke Rohbau ist übrig von dem, was er weitergeführt hat, seit er mit 16 Jahren in den Familienbetrieb eingestiegen ist. „Meine Eltern haben vor 57 Jahren das Schirmfachgeschäft gegründet, das als Lederwarengeschäft seinen festen Platz im Stadtbild von Eschweiler hatte.“
Seine Kinder haben sich beruflich zwar anders orientiert, sind aber in und um den Laden aufgewachsen und packen selbstverständlich mit an, wenn mal Not am Mann ist.

Das war auch beim Hochwasser der Fall: „Wir haben bis zwei Uhr nachts versucht, das Wasser zurückzuhalten, mussten aber schließlich aufgeben“, berichtet Michèle Robrecht. Ihr Bruder Sven war in der Nacht, als das Wasser kam, noch im Urlaub, hat aber aus der Ferne ein Notstromaggregat und Hilfe organisiert, zum Beispiel von befreundeten Landwirten. „Ohne die Landwirte hätten wir keine Chance gehabt!“, betont Klaus Robrecht. „Sie haben überall geholfen, beim Wegräumen, beim Leerpumpen der Keller, mit Sandsäcken und Maschinen. Einer hat meine Mutter aus der Wohnung geholt, in der sie nicht bleiben konnte: Sie oben auf dem Trecker, in der Schaufel ihr Koffer.“

Wer in der Nacht vor Ort war, hat sich durch reißendes Wasser nach Hause gekämpft. Am nächsten Morgen war der Schock groß, aber auch die Hilfsbereitschaft. „Als ich an einem Morgen die Ladentüre aufgeschlossen habe, standen da sechs Leute, die ich nicht kannte, und haben gefragt: Wo sollen wir anfangen? Das waren Menschen jeden Alters, und das hat tagelang nicht aufgehört: Immer kamen Leute zum Helfen, haben mit aufgeräumt, Essen und Getränke gebracht“, berichtet Klaus Robrecht.

Und auch Michèle Robrecht kann vieles aufzählen, was in schweren Zeiten Hoffnung gibt: Familie, Freunde und Fremde, die sich tagelang bei den Aufräumarbeiten für uns verausgabt haben. Ein befreundetes Paar hat meine Großmutter bei sich aufgenommen. Sie wohnt über dem Laden und konnte dort nicht bleiben. Erst fehlten Strom und Wasser. Jetzt ist da eine große Baustelle und ihr Treppenlift ist kaputt. „Unschätzbar wertvoll ist auch alles, was Anne, Britta und Simon und ihre Familien geleistet haben und wie sie uns geholfen haben!“ Dazu kam Hilfe und Trost in vielen Formen: neue Ware, ein Büro-Care-Paket, Bautrockner von weit her oder sogar eine Ladeneinrichtung aus dem sächsischen Freiberg mit der Botschaft „Wir wissen, wie das ist, wenn man durch die Fluten alles verliert.

Was der Familie ebenfalls Mut macht, sind die vielen anderen Geschäftsleute aus Eschweiler, die unermüdlich Pläne für den Wiederaufbau schmieden und von denen einige auch schon einen vorübergehenden Unterschlupf gefunden haben. „Und natürlich unsere Kunden, die uns die Treue halten. Viele von ihnen haben schon kurz nach dem Hochwasser gefragt, wann sie wieder Taschen bei uns kaufen können. Die haben uns gesagt: ‚Macht bloß nicht zu!‘. Für all das sind wir sehr, sehr dankbar!“, betont Klaus Robrecht.

Eine vorübergehende Lösung konnte auch schon gefunden werden: Ein kleines Ladenlokal zwei Häuser weiter, das die Robrechts normalerweise saisonal für den Verkauf von Schulranzen anmieten, hat die Flut beinahe unbeschadet überstanden. „Dort können wir den Verkauf mit der neuen Ware und dem, was wir rechtzeitig in die Privaträume über dem Laden retten konnten, vorübergehend weiterführen“, so Robrecht. „Und mit viel Glück können wir im Oktober im alten Ladenlokal weitermachen.“