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Im Dienste der Sicherheit hoch hinaus: StädteRegion Aachen prüft alte Bäume bei der Naturdenkmalkontrolle.

StädteRegion Aachen. Die Schwarzpappel in Würselen ist etwa 200 Jahre alt und steht nach wie vor. Dabei wäre der Baum vor etwa 30 Jahren fast gefällt worden. Aber das ist eine andere Geschichte, eine von vielen, die Udo Thorwesten in seiner bisherigen Dienstzeit beim Umweltamt der StädteRegion Aachen erlebt hat. Er ist unter anderem zuständig für die Pflege der etwa 250 Naturdenkmäler in der StädteRegion. Einmal im Jahr, in der Regel von September bis Oktober, wird jedes einzelne begutachtet. Zwar gehören nicht nur Bäume zu den Naturdenkmälern in der StädteRegion aber gerade bei diesen ist besondere Vorsicht geboten. „Unsere Kontrollen führen wir im Rahmen der sogenannten Verkehrssicherungspflicht durch“, erklärt Udo Thorwesten. „Wir müssen sicherstellen, dass von den Bäumen keine Gefahr für die Bürger oder die öffentliche Sicherheit ausgeht. Dementsprechend ist hier absolute Sorgfalt geboten.“

Thorwesten ist seit über 30 Jahren im Dienst. „Ich freue mich jedes Jahr, die Bäume wieder zu sehen, es ist fast, als würde man alte Bekannte treffen.“ Auch die Schwarzpappel in Würselen gehört dazu. Der Baum ist etwa 200 Jahre alt und hat beeindruckende Ausmaße. Nach den Besonderheiten von Pappeln gefragt, antwortet er mit einem Lachen: „Würde man einen Schreiner fragen, würde der wahrscheinlich sagen, dass eine Pappel kein gutes Holz hergibt. Das stimmt insoweit, als Pappeln eine große Krone und nur einen vergleichsweise kurzen Stamm haben. Da ist also nicht viel Material, aus dem man lange, gerade Bretter machen könnte.“ Außerdem, so Thorwesten, sei Pappelholz eher weich. „In Deutschland wurden Pappeln früher vor allem zur Streichholzherstellung und in der Papierindustrie verwendet. In Holland hat man aus Pappelholz auch gerne die traditionellen Holzschuhe hergestellt“.
In der Natur spielen Pappeln vor allem als Nistbäume eine wichtige Rolle. Steinkäuze, Waldohreulen oder auch Hornissen besiedeln sie gerne. Das ist ein Grund, warum die Baumkontrolle immer erst im September beginnt: „Zu dieser Zeit des Jahres können wir davon ausgehen, dass keine Vögel oder Insekten mehr in den Bäumen nisten. Somit haben wir freie Bahn und stören keine Tiere durch unsere Arbeit.“ Im Rahmen der sogenannten „Zustandsuntersuchung von Naturdenkmalen“ werden verschiedene Dinge überprüft. Unter anderem wird der Stammumfang gemessen und der Schaden durch abgestorbenes Astwerk dokumentiert. Dieses wird anschließend so vorsichtig wie möglich entfernt. „Wir entfernen grundsätzlich nur totes Holz“, betont Thorwesten. Meistens geht man dabei mit einer Rosenschere, bei dickeren Ästen auch mit einer Handsäge vor. „Eine Motorsäge benutzen wir nur, wenn es nicht anders geht. Der Einsatz von großen Maschinen ist immer eine Belastung für die Bäume, die versuchen wir so gering wie möglich zu halten.“ Zwar hat der durchschnittliche Bürger es in seinem Garten gerne schön ordentlich. Mit Ästhetik hat die Arbeit von Udo Thorwesten und seinen Helfern aber nichts zu tun: „Wir schneiden wirklich nur dort, wo es nötig ist. Ansonsten versuchen wir den Baum einfach seiner Natur gemäß wachsen zu lassen. So lange keine Gefahr entsteht, müssen wir auch nicht eingreifen.“ Bei einem Baum der zum Naturdenkmal erklärt wird, muss auch die nähere Umgebung geschützt werden. „Bäume sind empfindlicher, als viele meinen“, sagt Udo Thorwesten. „Die Wurzeln eines Baumes breiten sich in einem großen Umkreis um den Stamm herum unter der Erde aus. Pappeln stellen noch eine Besonderheit dar, sie sind sogenannte Flachwurzler. Ihre Wurzeln liegen also vergleichsweise nah unter der Oberfläche und sind dementsprechend empfindlich.“

Der Schutz eines ausgewiesenen Naturdenkmals wird hoch angesetzt: „Der Schutz eines Naturdenkmal geht vor, da gibt es nur wenig Spielraum“, betont Thorwesten. Für die Untersuchung der Bäume wird eine Hebebühne verwendet, die bis auf 30 Meter Höhe reicht. Für jemanden, der normalerweise nicht in solchen Höhen arbeitet, ist das Gefühl, so weit vom Boden entfernt zu sein, dann doch eher gewöhnungsbedürftig. Udo Thorwesten macht das nach mehreren Jahrzehnten im Dienst nichts mehr aus. Allerdings stößt auch jemand mit seiner Erfahrung an Grenzen: „Ich bin mal auf der größten mobilen Hebebühne Europas gewesen. Die erreichte eine Arbeitshöhe von 100 Metern, da wurde mir doch schon mulmig.“

Bei der Schwarzpappel in Würselen müssen Thorwesten und seine Männer zum Glück nicht so hoch hinaus. Mit dem Baum, der direkt neben der Antoniuskapelle im Ortsteil Pley steht, verbindet den Fachmann vom Umweltamt der StädteRegion eine besondere Geschichte: „Vor etwa 30 Jahren sollte der Baum gefällt werden“, erzählt Thorwesten. „Ein besorgter Anwohner hatte die Verwaltung alarmiert, weil er fürchtete, der Baum könne auf sein Haus fallen.“ Man beriet sich eingehend und die Mehrheit tendierte dazu, den Baum fällen zu lassen. Bevor es soweit kam, wurde aber noch ein abschließendes Gutachten in Auftrag gegeben. „Dazu gehörte unter anderem ein sogenannter Zugtest“, erinnert sich Udo Thorwesten. „Dabei werden Seile am Baum befestigt, vor die ein Traktor gespannt wird. Dieser zieht dann den Baum in verschiedene Richtungen. So wird die Standfestigkeit überprüft.“ Am Ende stellte sich heraus, dass die Pappel nicht umsturzgefährdet war. „Das war von Anfang an auch mein Eindruck gewesen und ich bin froh, dass ich am Ende richtig lag und der Baum heute noch hier steht.“ Die Freude darüber sieht man ihm in diesem Moment auch wirklich an. Und auch wenn die Pappel schon etwa 200 Jahre alt ist, wird sie wohl noch lange stehen. „Im Leben eines Baumes gibt es drei verschiedene Phasen. Auf die Jugendphase folgt die Altersphase und zum Schluss die Zerfallsphase. Der Baum hier befindet sich zwischen den letzten beiden Phasen. Im Moment ist er insgesamt gesund.“ Und so wird die alte Schwarzpappel an der Antoniuskapelle auch nächstes Jahr noch stehen, wenn Udo Thorwesten das Naturdenkmal wieder kontrolliert. Für den Moment ist seine Arbeit hier getan.

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