Breadcrumb

StädteRegion und Kreishandwerkerschaft arbeiten sehr gut zusammen. Nachwuchskräftemangel und politische Unsicherheit führen zu „verhalten pessimistischen“ Erwartungen im Handwerk.


StädteRegion Aachen. „Momentan ist die Stimmung im Handwerk am besten als verhalten pessimistisch zu beschreiben.“ So brachte es Kreishandwerksmeister Herbert May beim traditionellen Neujahrsempfang im Haus der StädteRegion Aachen auf den Punkt. Wie in jedem Jahr hatten sich dazu die Spitzen von Verwaltung, Fraktionen und der Kreishandwerkerschaft im Haus der StädteRegion getroffen. Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier sprach dabei die konkreten Probleme des Handwerks an. „Nach Corona kam die Flutkatastrophe und dann der Ukraine-Krieg mit Energiepreissteigerungen, Kaufzurückhaltung und Zinssteigerungen. Die einst brummende Baukonjunktur wurde abrupt abgewürgt und Handwerksbetriebe können sich bei den aktuellen Zinsen teils notwendige Investitionen nicht mehr leisten.“ Hier, so Grüttemeier, stelle sich die StädteRegion allerdings ihrer Verantwortung. „Wir investieren 2024 die Rekordsumme von 89 Millionen Euro insbesondere in den Bau von Kitas, Schulen und Rettungswachen. Zudem konnten wir auch für den geförderten Wohnungsbau im vergangenen Jahr die Rekordsumme von 108 Millionen Euro Bundes- und Landesmittel zusagen.“

Herbert May rief ins Gedächtnis, dass die hochgesteckten Klimaziele niemals „ohne die Kolleginnen und Kollegen, die installieren, renovieren, modernisieren, reparieren“ erreichbar wären. Besondere Bauchschmerzen machen dem Handwerk die steigenden Unsicherheiten und die deshalb sinkende Investitionsbereitschaft. „Das ist fatal und führt in allen Branchen, aber ganz besonders im Handwerk zu Auftragsrückgängen und Umsatzeinbrüchen.“ Waren die Auftragsbücher vor kurzem noch gut gefüllt, sieht es laut May jetzt deutlich schlechter aus: „Ein normaler Auftragsvorlauf eines Tischlers lag immer bei drei bis fünf Monaten. Aktuell verzeichnen wir hier nur noch wenige Wochen und das mit sinkender Tendenz“.
Ein weiteres „Kernproblem sämtlicher Arbeitgeber“ – der Fachkräftemangel – sprach Dr. Grüttemeier dann auch noch an. 
„Wir haben in der dualen Ausbildung aktuell nur noch 9.000 Schülerinnen und Schüler in der StädteRegion. Vor wenigen Jahren waren es 10.300.“
Das sei dramatisch, da viele Leistungsträger im Handwerk bald in den Ruhestand gehen und dringend Nachwuchs benötigt wird. Dieser kommt verstärkt auch aus Reihen der Abiturienten „Jeder fünfte Handwerks-Azubi hat mittlerweile Abitur. Und das ist auch gut so, denn viele Abiturienten sind in den Betrieben bestens aufgehoben und nicht jeder passt auch an die Uni“, so Grüttemeier.
Wichtig sei allerdings auch, das Potenzial der beispielsweise aus der Ukraine geflohenen Menschen zu heben. Die neuen Regelungen zur Fachkräfteeinwanderung – insbesondere der Rechtsanspruch von Menschen mit einer anerkannten Berufsausbildung auf eine Arbeitserlaubnis – helfen laut Grüttemeier dabei. 
Sehr kritisch sieht er zudem das auch aufgrund der Unsicherheiten und der nicht verlässlichen Politik des Bundes aktuell auch die politischen Extreme und Populisten gewachsen seien „Das ist für mich schwer zu ertragen und alles andere als gut für das Investitionsklima in Deutschland.“ Auch die Sperrung der A 544 sei eine Riesenherausforderung für das Handwerk in den kommenden Jahren, so Grüttemeier und May unisono. Jeder zweite Handwerksbetrieb in der StädteRegion rechnet deshalb mit finanziellen Einbußen.

Zwei Anregungen hatte Herbert May noch an die Adresse der StädteRegion. Zum einen regte er verstärkte und gebündeltere digitale Möglichkeiten zur Antragsstellung an. Auch einen regelmäßigen fachlichen Austausch zwischen Kreishandwerkerschaft und städteregionaler Verwaltung über neue Änderungen in Gesetzen und Verordnungen stand auf seiner Wunschliste. Anregungen, die die StädteRegion sicher ernst nehmen wird und durch die der bisherige fruchtbare Austausch auch künftig auf einer guten Basis stehen soll. 
 

Veröffentlicht am: 19.01.2024

Kontakt

Öffentlichkeitsarbeit
Zollernstraße 10
52070 Aachen
Tel: +49 241 5198-1300
Fax: +49 241 5198-81300