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Hier erfahren Sie Einzelheiten zu den Ereignissen der Jahre 1919-1932

1919-1932

•    Der Untergang des Kaiserreichs hatte weitreichende Folgen für die unmittelbare Nachbarschaft des Landkreises. So verlangte Belgien als Kompensation für die schweren Kriegsschäden ein Fünftel der Monschauer Kreisfläche sowie wichtige Bahnverbindungen. Mit der Annexion der Landkreise Eupen und Malmedy-St. Vith verlor die Aachener Region wirtschaftlich wichtiges Hinterland, das über Jahrhunderte fest mit Aachen und dem Landkreis verbunden gewesen war.

•    Ab 1920 wurde der Kreistag in allgemeiner, gleicher, direkter und geheimer Wahl gewählt und der Landkreis bekam neue Aufgaben übertragen.

•    Der seit 1920 amtierende Landrat Hermann Josef Pütz war ein tatkräftiger Mann mit Visionen.
Seine Tatkraft stellte er bereits im Hungerjahr 1920 unter Beweis und sicherte sich damit große Sympathien innerhalb der Kreisbevölkerung. Er reklamierte das Recht der Notwehr auch für die Kreisverwaltung und machte sich „mit oder ohne Genehmigung der verantwortlichen Zentralstellen“ ohne Pass auf den Weg ins Ausland und brachte 125 mit Kartoffeln beladene Waggons ins Kreisgebiet, die er der hungernden Bevölkerung zur Verfügung stellte. Seine Visionen zeigten sich besonders bei den Vorstellungen zur  Siedlungsentwicklung im Landkreis. So legte er bereits nach wenigen Monaten im Amt ein ehrgeiziges Wohnungsbauprogramm vor und forcierte die Aufstellung eines Kreissiedlungsplans. Auch die Kreisverwaltung wurde in diesen Jahren organisatorisch neu aufgestellt und galt bald als „Musterverwaltung“ in der Rheinprovinz.

•    Im Inflationsjahr 1923 druckten Kreis und Stadt Aachen gemeinsames Notgeld und im Oktober 1923 geriet der Landkreis Aachen in die reichsweiten Zeitungen. Am 21. Oktober besetzten Separatisten die wichtigsten öffentlichen Gebäude im Aachener Stadtgebiet, darunter auch das Landratsamt an der Zollernstraße und das Regierungsgebäude.

•    Durch wirtschaftliche Beteiligungen sicherte sich der Landkreis in der 20er Jahren wichtige Einflussmöglichkeiten. So wurden Beteiligungen an Versorgungsunternehmen und an Unternehmen des Nahverkehrs erworben, außerdem wurden Beteiligungen am Kraftwerk Zukunft in Weisweiler, an der Braunkohlenindustrie Zukunft und an der Aachener Kleinbahn erworben. Weiter ausgebaut wurden das Wasserwerk des Landkreises sowie die Kreissparkasse. Auch im sozialen Bereich entstanden wichtige Einrichtungen. Bereits Mitte Mai 1920 hatte der Landkreis ein Kindererholungsheim in Süßendell (Gemeinde Gressenich) eröffnet um „erholungsbedürftige, schwächliche, unterernährte und Tuberkulose gefährdete Jungen und Mädchen im Alter von 6 bis 15 Jahren“ aufzunehmen.

•    Am 21. Dezember 1921 wurde die erste Verwaltungsbeamtenschule für den Landkreis und die angehörigen Gemeinden ins Leben gerufen.

•    1922 wurde eine Berufsfeuerwehr für den Landkreis Aachen ins Leben gerufen, die den Feuerschutz gemeinsam mit den bestehenden freiwilligen Feuerwehren im Landkreis wirksamer gestalten sollte. Die Hauptstelle mit Fuhrpark wurde in Würselen eingerichtet.

•    1924 wurde aufgrund des Reichsgesetzes für Jugendwohlfahrt das Kreisjungendamt Aachen-Land eingerichtet, das für die kleineren Landgemeinden zuständig war. Im September

•    1925 richtete der Landkreis ein Frauenerholungsheim in Rolandseck am Rhein (heute Landkreis Ahrweiler) ein.

•    Unter Landrat Pütz reiften ebenfalls Pläne ein Kreiskrankenhaus zu errichten.

•    Mit großem Interesse förderte Landrat Hermann Josef Pütz auch das Reitturnier in der Gemeinde Laurensberg. 1924 griff der Landkreis dem jungen ALRV finanziell unter die Arme und finanzierte u.a. die Errichtung der Rennwiese auf dem Gebiet der Gemeinde Laurensberg mit. Die unter Landrat Pütz und in geringerem Maße bereits durch seinen Vorgänger von Pastor eingeleitete Verknüpfung des Landkreises mit dem Pferdesport hält bis heute an, der Landrat Pütz-Gedächtnispreis ging in die Annalen ein und wird seit 2009 als "Preis der StädteRegion Aachen in memoriam Landrat Hermann-Josef Pütz" weiterhin ausgelobt.
•    Am 21. Oktober 1930 kam es in Alsdorf zu einer der größten deutschen Grubenkatastrophen überhaupt. Durch eine Schlagwetterexplosion im Eduardschacht auf der Grube Anna II kamen 270 Bergleute ums Leben. Die Kreisverwaltung startete daraufhin eine Hilfsaktion und rief die Bewohner im Landkreis zu Spenden auf.
 
•    Der neue Landrat Erwin Classen förderte während seiner Amtszeit die regionale Heimatkunde, so wurde er Anfang der 30er Jahre der Vorsitzende des neu gegründeten Heimatvereins des Landkreises Aachen, der ab 1931 die Heimatblätter des Landkreises Aachen herausgab. 1935 wurde in der ehemaligen Abtei in Kornelimünster das Kreisheimatmuseum eingerichtet, welches leider in den Kriegsjahren zahlreiche wertvolle Exponate verlor und in den 70er Jahren endgültig aufgelöst wurde.

•    Anfang der 30er Jahre war eine anstehende Gebietsreform Dauerthema in den kommunalen Gremien. Bereits 1922 hatte die Stadt Aachen Erweiterungswünsche geäußert, die 1928 in einem Gutachten im Auftrag des Regierungspräsidenten aufgegriffen wurden und u. a. die Auskreisung der Gemeinden Laurensberg, Haaren, Teilen der Gemeinde Eilendorf, Walheim, Würselen, Weiden, Brand, Richterich und Kohlscheid vorschlug sowie die Zusammenlegung einiger Gebietskörperschaften im Kreisgebiet empfahl. Zum 1. Oktober 1932 wurden die Nachbarkreise Heinsberg und Geilenkirchen zum Landkreis Geilenkirchen-Heinsberg zusammengeführt. Dem Landkreis Aachen wurde die bisher zum Amt Siersdorf (Landkreis Jülich) gehörende Landgemeinde Schaufenberg eingegliedert, des Weiteren wurden die im Amt Nothberg zusammengefassten Landgemeinden, die bisher zum Landkreis Düren gehört hatten, dem Landkreis Aachen eingegliedert. Die Frage der Eingliederung von Gemeinden in die Stadt Aachen war kein Thema mehr.

•    Am 10. April 1930 wurde eine Flughafen GmbH für den Feldflugplatz Merzbrück in der Gemeinde Broichweiden gegründet. Daran beteiligten sich neben dem Landkreis auch die Stadt Aachen und der Landkreis Düren. Nach einem Ausbau des Flugplatzes nahm die Lufthansa am 1. Mai 1931 eine Fluglinie Aachen-Köln mit einer Junkers G 24 auf.

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