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„Ich sehe, dass die Menschheit in die falsche Richtung geht! In der Wissenschaft und Technik haben wir sehr große Schritte gemacht, aber wir haben noch nicht gelernt, auf der Erde zusammenzuleben“, appellierte Henriette Kretz. Sie ist Überlebende des Ghettos von Sambor in der Ukraine und eine der letzten lebenden Zeitzeuginnen des Holocausts. Auf Einladung des Bildungsbüros der StädteRegion hat sie im März und Mai 2026 acht Schulen in der StädteRegion Aachen besucht. Hier erzählte die 91-Jährige ihre Familiengeschichte und Erlebnisse aus dem zweiten Weltkrieg, um die Erinnerung an den Holocaust lebendig zu halten und zu Toleranz und Verantwortung zu ermutigen.
Am 5. Mai sprach sie außerdem bei einer öffentlichen Veranstaltung, zu der das Bildungsbüro gemeinsam mit der RWTH Aachen und dem Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung eingeladen hatte. Gefördert wurde diese Abendveranstaltung durch die Partnerschaften für Demokratie in der StädteRegion Aachen (Bundesprogramm „Demokratie leben“). Insgesamt konnten so rund 1000 Menschen erreicht werden.
Bleibende Eindrücke
Bei den Schüler_innen hat Henriette Kretz einen bleibenden Eindruck hinterlassen: „Es macht mich stolz, dass sich unsere Generation mit geschichtlichen Themen auseinandersetzt, um heutzutage noch etwas verändern zu können“, erklärt Jara, Schülerin des Inda-Gymnasiums. Und ihre Mitschülerin Maryam ergänzt: „Solche Veranstaltungen sind wichtig, weil man Betroffenen eine Stimme gibt und sich an die Zeit erinnert, so dass es nie wieder passiert.“ Ihr Altersgenosse Diego sieht das genauso: „Toll, wie Frau Kretz trotz ihres hohen Alters alles noch so gut schildern kann“, sagt er. Und sein Mitschüler Lasse erklärt: „Wir sind die letzte Generation, die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen noch miterleben können, das ist sehr bewegend.“
„Wir freuen uns, dass wir diese Begegnungen möglich machen können. Für die Schülerinnen und Schüler ist das nochmal ein ganz anderer Zugang zu Geschichte. Sie sehen, was Krieg tatsächlich bewirken und für eine ganze Familie bedeuten kann. Das ist ein anderer Eindruck, als im Unterricht übermittelt werden kann“, erklärt Linda Jo Siemon, die im Bildungsbüro der StädteRegion Aachen den Bereich „Historisch-politische Bildung/Demokratiebildung“ verantwortet.
Für Henriette Kretz steht unterdessen fest: „Die Jugend ist wunderbar und voller Ideen. Aber sie ist auch sehr leicht zu beeinflussen.“ Dementsprechend warnte sie die Schülerinnen und Schüler davor, falsche Entscheidungen bei Wahlen zu treffen. Denn auch wenn Henriette Kretz und weitere Holocaust-Überlebende nach dem Krieg ein neues Leben begonnen, eine Familie gegründet oder sich beruflich verwirklicht haben: „Die Narben bleiben“, sagt sie.
Ansprechpartner/-innen
Frau Linda Jo Siemon
Tel: +49 241 5198-4303
linda-jo.siemon@staedteregion-aachen.de