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Bewertung der nuklearen Risiken des Kernkraftwerks Tihange 2

Die internationale Vereinigung unabhängiger Nuklearexperten "INRAG“ bewertet das Risiko des Betriebs von Tihange 2 wie folgt:

  1. Der Betrieb des Kernkraftwerks Tihange 2 widerspricht international anerkannten Bewertungsmaßstäben für die Sicherheit von Kernkraftwerken!
  2. Die Gefahr eines Versagens des Reaktordruckbehälters ist nach den vorliegenden Untersuchungen nicht praktisch ausgeschlossen.
  3. Eine Freisetzung von radioaktiven Stoffen aufgrund eines unterstellten Unfalls mit Versagen des Reaktordruckbehälters kann demnach zu einer weiträumigen Unbewohnbarkeit von Landstrichen - bis weit in die Aachener Region hinein - führen.
  4. Der Reaktor hätte mit den jetzt entdeckten Rissen am Reaktordruckbehälter bereits im Jahre 1983 nicht in Betrieb gehen dürfen, sofern diese Risse bereits bei der Herstellung vorhanden waren, wie von Betreiber und Aufsichtsbehörde unterstellt wird.
  5. Solange der Sicherheitsnachweis für den Reaktordruckbehälter nicht erbracht ist, darf der Reaktor nicht betrieben werden.

Der Reaktor muss deshalb nach dem jetzigen bekannten Stand der Untersuchungen einstweilig stillgelegt werden!

Begründung:

Ein Reaktordruckbehälter, der nicht zweifelsfrei die nach zahlreichen Regelwerken und Regeln der Internationalen Atomenergieorganisation erforderlichen Sicherheitseigenschaften aufweist, darf nach Auffassung der INRAG nicht in Betrieb genommen werden.  
Auch nach Meinung der belgischen Sachverständigenorganisation (BEL V) und des deutschen Bundesumweltministeriums können die erforderliche Qualität und damit die Sicherheitsreserven des Reaktordruckbehälters auch nachträglich nicht mehr hergestellt werden.

  • Die aktuellen Materialeigenschaften des Reaktordruckbehälters sind nicht mit ausreichender Sicherheit abzuschätzen und nachträglich auch nicht mehr experimentell bestimmbar.
  • Der aktuelle Stand der Versprödung des Reaktordruckbehälters kann nicht mehr mit ausreichender Sicherheit beurteilt werden, weil es keine zweifelsfrei vergleichbaren Materialproben gibt, um den Verlauf der Versprödung ausreichend zuverlässig zu bestimmen. Die vorliegende Berechnung des Betreibers ist methodisch nicht abgesichert und enthält praktisch keine Sicherheitsreserven mehr.
  • Die Herkunft der Risse im Reaktordruckbehälter ist nicht mit ausreichender Sicherheit geklärt.
  • Ein Wachstum der Risse während des Betriebs kann nicht hinreichend sicher ausgeschlossen werden.
  • Das von der belgischen Aufsichtsbehörde FANC zugelassene Verfahren der Festigkeitsberechnung ist nicht validiert und birgt deshalb ein unzulässig hohes Risiko an Fehlern.
  • Es wurden nicht alle möglichen Störfallsituationen, die für das Kernkraftwerk Tihange 2 gefährlich werden könnten, untersucht.
  • In den Abschätzungen der der belgischen Aufsichtsbehörde FANC und des Betreibers wurden bei sicherheitsrelevanten Unsicherheiten für den Nachweiserfolg günstige Materialkennwerte zugrunde gelegt.
  • Eine Risikoanalyse zur Widerstandsfähigkeit des Reaktordruckbehälters unter Zugrundelegung auch ungünstiger Werte wurde nicht durchgeführt.

Wie gefährlich sind die Risse in Tihange 2?

Wohl kaum ein anderes Thema beschäftigt und ängstigt die Menschen in unserem Lebensraum so sehr, wie das Thema ‚Tihange‘ und der Zustand von Tihange 2. Immer neue Meldungen in den Medien tragen erheblich zur Verunsicherung bei. Doch wie gefährlich sind diese Risse wirklich? Wie verändert sich das Material im Laufe der Jahre und wie viel Risiko können wir uns erlauben?
Die  internationale Vereinigung unabhängiger Nuklearexperten "INRAG“ hat sich mit diesen Fragen beschäftigt und stellt am 13. und 14. April in Aachen ihre Untersuchungsergebnisse vor.
In einer bereits heute (Fr. 13.04.2018) veröffentlichten Stellungnahme fassen die renommierten Wissenschaftler aus der ganzen Welt das Risiko des Betriebs von Tihange 2 in den oben stehenden 5 Punkten zusammen.

In enger Kooperation mit dem Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) ist es Städteregionsrat Helmut Etschenberg in Zusammenarbeit mit dem Land Rheinland-Pfalz gelungen, die International Nuclear Assessment Group (kurz: INRAG) nach Aachen zu holen.
„Das hat es so noch nicht gegeben, dass sich erfahrene Atomexperten und Wissenschaftler GEMEINSAM mit diesen zentralen Fragen beschäftigt haben. Die Ergebnisse sind noch desaströser, als wir bisher angenommen haben und untermauern unsere Klage vor dem belgischen Gericht der Ersten Instanz! Wir wollen auch weiterhin keine Panik schüren und hoffen deshalb auf eine sachlich fundierte Diskussion. Hierzu laden wir erneut die belgische Atomaufsicht und den Betreiber ein!“
Die Schirmherrschaft der INRAG-Tagung hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet übernommen, der das Thema Tihange in der nordrhein-westfälischen Landesregierung zur Chefsache erklärt hat. Ebenso konsequent verhält sich die Umweltministerin des Landes Rheinland-Pfalz. Staatssekretär Dr. Thomas Griese wird persönlich an beiden Tagen vor Ort sein.
Auch der Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft, Oliver Paasch, unterstützt mit seinem Parlament ausdrücklich die Forderung, Tihange 2 und Doel 3 zu schließen! Trotzdem mangelt es in der belgischen Bevölkerung noch an Akzeptanz für die kritische Haltung der niederländischen, luxemburgischen und deutschen Nachbarn.
Städteregionsrat Helmut Etschenberg:
„Für mich ist es ein starkes und ermutigendes Signal, dass nunmehr auch die Städte Lüttich, Verviers und Dison die Abschaltung von Tihange 2 fordert. Ich hoffe, dass die eindeutigen Ergebnisse der Konferenz dazu beitragen, dass sich der Protest gegen die Pannenreaktoren in Belgien weiter ausbreitet!“
Die öffentliche Veranstaltung findet morgen ab 9:30 Uhr im Aachener Depot statt. Besucher sind herzlich willkommen. Alle Details findet man hier.

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