StädteRegion Aachen. Pietro Donzelli (1915-1998) gilt als einer der einflussreichsten Fotografen, Kritiker und Ausstellungsmacher der italienischen Nachkriegszeit. Das Fotografie-Forum in Monschau präsentiert vom 10. Mai bis zum 2. August eine große Überblicksausstellung mit rund 100 Werken des Künstlers. Die Schau ist in enger Zusammenarbeit mit Renate Siebenhaar und dem Estate Pietro Donzelli entstanden. 
Die Fotos aus den 1950er und 1960er Jahren, die überwiegend in Italien aufgenommen wurden, geben eindrucksvolle Einblicke in eine Zeit, die im Wandel begriffen ist. In Donzellis poetischen Schwarz-Weiß Aufnahmen trifft ländliche Tradition auf industriellen Aufbruch, aber auch Vergangenheit auf Zukunft. Donzellis Werk umfasst neben vereinzelten Porträts vorwiegend Landschafts- und Stadtansichten. All´ seine Werke strahlen eine große Ruhe aus, die sie zeitlos erscheinen lassen.

„Einmal mehr ist es dem Fotografie-Forum gelungen, hochkarätige Fotokunst nach Monschau zu bringen. Pietro Donzelli ist in seiner Heimat ein absoluter Star und ich bin sehr froh, dass seine Arbeiten nun in der StädteRegion zu Gast sind“, freut sich Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier. Auch für die Kuratorin der Ausstellung und Leiterin des Fotografie-Forums, Dr. Nina Mika-Helfmeier, ist die kommende Ausstellung ein Highlight: „Pietro Donzelli versteht es meisterhaft, in seinen Kompositionen mit dem Licht zu arbeiten. Für den großartigen Fotografen ist das natürliche Licht eines der zentralen Gestaltungsmittel: Weich und manchmal leicht diffus, erzeugt es in seinen Bildern eine ruhige, zeitlose Stimmung. Ähnlich wie bei Goethe in der Italienischen Reise wirkt das „italienische Licht“ klärend und lenkt den Blick auf das Wesentliche.“ Renate Siebenhaar von der Estate Pietro Donzelli ergänzt: „Pietro Donzellis Fotografien erhalten ihre Faszination durch meisterliche Komposition und konzentrierte Stille, und oftmals entstehen rätselhafte Beziehungen zwischen Menschen und ihrer Umgebung. Die Zeit scheint aufgehoben: Über das Bezeugen einer vergangenen Epoche hinaus bewahren Donzellis Fotografien eine universelle Bedeutung und Bannkraft außerhalb von Zeit und Ort.“
                                              
Der 1915 in Monaco geborene Donzelli war schon seit seiner Kindheit von der Fotografie begeistert, dieser Leidenschaft stand aber zunächst die Einberufung in den Kriegsdienst 1943 im Weg. Seine Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg sollten den Künstler nachhaltig prägen. Die Fotografie bot ihm, laut eigener Aussage, nach dem Krieg die Möglichkeit, Gefühle und Gedanken auszudrücken und sich anderen mitzuteilen. Donzelli lag viel daran, mit der Fotografie neue, eigenständige Ausdruckswege zu erschließen und sie als vollwertige Kunstform zu etablieren. Er gilt heute als einer der wichtigsten Protagonisten der Strömung des Neorealismus. Sein Engagement beschränkte sich nicht nur auf die eigene fotografische Arbeit, vielmehr war Donzelli ebenso als Kritiker und Ausstellungsmacher international aktiv. 

Die Serie „Po-Delta - Land ohne Schatten“ verdeutlicht Donzellis sorgsame Arbeitsweise, die umfangreiche und intensive Recherchen umfasste. Über acht Jahre hinweg bereiste der Fotograf das Po-Delta und hielt dort die Landschaft, aber auch die Menschen und ihre Lebensbedingungen fest. Dabei zeigen die Fotografien ganz unterschiedliche Aspekte des besonderen Landstrichs. Die Aufnahmen sind keineswegs rein dokumentarischer Natur, sondern entfalten eine poetische Kraft, die ihnen eine eigene ästhetische Qualität verleiht. 
Donzelli beschäftigte sich jedoch nicht nur mit dem Leben auf dem Land, auch das Zusammenleben in den Städten ist Gegenstand seiner fotografischen Arbeit. In seiner Heimatstadt Mailand entstehen zahlreiche Aufnahmen: Neben flüchtigen Alltagsmomenten interessiert ihn die Mailänder Mustermesse in besonderer Weise. Es entstehen Fotografien, die sich durch klare Kompositionen und ungewöhnliche Perspektiven auszeichnen. Seine früheste fotografische Serie entstand unmittelbar nach dem Krieg in Neapel. Dort begann er die fünfjährige Arbeit an „Aria di Napoli“ (Die Luft von Neapel) mit dem Ziel, außerhalb der touristischen Pfade ein anderes Bild der Stadt zu zeichnen. Es begegnen uns in den Fotografien Verkäufer ebenso wie schlafende Seemänner, Straßenkinder, Musikanten, Tagelöhner, Straßenkehrer und Schuhputzer, die Donzelli stets umsichtig und würdevoll ins Bild setzte.
Der Gang durch die Ausstellung gleicht einer Zeitreise in das Italien eines vergangenen Jahrhunderts. Gleichermaßen stellen sich dabei heute immer noch aktuelle Fragen und man wird zum Nachdenken eingeladen. Das Licht ist Donzellis stetiger Begleiter - einmal hart und kontrastreich, dann wieder diffus und sanft. Donzelli versteht es meisterhaft, die Schönheit und Harmonie im Alltäglichen zu finden.
 

10. Mai bis 02. August 2026
Fotografie-Forum der StädteRegion Aachen
Austraße 9, 52156 Monschau
info@kuk-monschau.de
Tel. +49 (0)2472-803194

Öffnungszeiten:          
Di-Fr von 14.00 – 17.00 Uhr
Sa & So von 11.00 – 17.00 Uhr
Mo geschlossen
Der Eintritt ist frei.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, herausgegeben von Dr. Nina Mika-Helfmeier und Renate Siebenhaar, mit einem Essay von Andreas Platthaus (FAZ). Er ist im Fotografie-Forum zum Preis von 25 Euro erhältlich.  


Veranstaltungen:
10. Mai 2026: 12:00 Uhr
Vernissage
Bürgersaal, Austraße 7 in Monschau
Grußwort: Stellvertretende Städteregionsrätin Marie-Theres Sobczyk
Anschließendes Gespräch zwischen Frau Dr. Nina Mika-Helfmeier (Kuratorin der Ausstellung und Leitung des Fotografie-Forums) und Renate Siebenhaar (Estate Pietro Donzelli)

17.05.2026 
Internationaler Museumstag 
Ganztägig: Kinder-Rallye durch die Ausstellung
14:00 – 17:00 Uhr: Cyanotypie-Workshop für Familien
15:00 Uhr, Führung durch die Ausstellung

04.06.2026: 17:00 – 18:00 Uhr
Telefonführung im Rahmen von „Bei Anruf Kultur“ durch die Ausstellung

20.06.2026: 11:00 – 17:00 Uhr
Fotografie-Workshop „Da schau her – Coole Bilder mit Komposition“
Für Kinder zwischen 10 und 14 Jahren | mit Karin Odendahl

 

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Kultur
Zollernstraße 20
52070 Aachen