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Naturschutzgebiet Schlangenberg


 

Die Entstehung der Informationstafeln zum Naturschutzgebiet Schlangenberg

Das Naturschutzgebiet Schlangenberg in der StädteRegion Aachen liegt südlich von Stolberg bei Breinigerberg. Es ist ca. 123,68 ha groß und umfasst einen Offenlandbereich im Südwesten und Waldbereiche im Nordosten.

Der Offenlandbereich wurde früher bergbaulich genutzt. Die natürlichen Erzvorkommen (vor allem Zink, Blei und Cadmium) wurden schon zu Zeiten der alten Römer geschürft. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Erzabbau eingestellt. Bis in die 1980er Jahre nutzte man das Gelände als Truppenübungsplatz für militärische Zwecke.

Durch den Abbau, die Lagerung, den Transport des Erzes sowie durch das Zerwühlen des Bodens durch die Militärfahrzeuge verteilten sich die Metalle auf dem Gelände, so dass heute großflächig Böden vorliegen, die hohe Schwermetallanteile aufweisen.


Europaweit geschützt: Die Galmei-Pflanzen

In der Regel können Pflanzen auf stark mit Metallen belasteten Böden nicht wachsen. Es gibt jedoch so genannte „Metallophyten“ die darauf spezialisiert sind, auf schwermetallbelasteten Böden zu überleben. Diese Schwermetall-Vegetation finden wir im Naturschutzgebiet Schlangenberg in hervorragender Weise. Hier entwickelte sich die heute streng geschützte Galmei-Vegetation. Das Gelbe Galmei-Veilchen ist weltweit nur im Aachener Raum bis Ostbelgien zu finden.

Das Naturschutzgebiet Schlangenberg ist sogar auf europäischer Ebene geschützt. Es wurde als so genanntes FFH-Gebiet ausgewiesen. Diese Abkürzung steht für Flora-Fauna-Habitat und wird unter anderem wie folgt beschrieben: „Der Schlangenberg zählt zu Europas bekanntesten Vorkommen der seltenen Schwermetallvegetation. Seine hervorragend ausgebildeten Schwermetallrasen und -heiden zählen zu den artenreichsten Vorkommen ganz Deutschlands. Es sind bedeutende Refugialbiotope für die endemischen Galmei-Florenelemente im Raum Aachen - Stolberg mit Arten wie dem Gelben Galmeiveilchen, dem Galmei-Täschelkraut und der Galmei-Grasnelke. Das Vorkommen des Waldmeister-Buchenwaldes hat vergleichbare Funktionen in diesen Raum. Zahlreiche weitere seltene Pflanzen- und Tierarten insbesondere trockener, offener bis halboffener Standorte kommen im Gebiet vor. Hierzu zählen die Heidelerche und der Neuntöter wie auch die Schlingnatter und viele gefährdete Insektenarten.“ (Auszug aus der Beschreibung des Natura 2000 Gebietes Schlangenberg DE 5203-308 des LANUV NRW).


Gefährdung des Naturschutzgebietes und Maßnahmen

Zum einen war es die fortschreitende Bewaldung, die den Lebensraum der geschützten Galmei-Vegetation immer weiter einschränkte. Die nicht heimische Kiefer breitete sich in den letzten Jahrzehnten stark aus. Daher wurden immer wieder kleinflächig Fällungen vorgenommen und mit freiwilligen Helfern in den Jahren danach die aus dem Boden schießenden Baumsämlinge ausgerupft.

Die Biologische Station in Stolberg erarbeitete ein Beweidungskonzept mit Schafen, wobei durch Bodenuntersuchungen sichergestellt wurde, dass nur auf unproblematischen Flächen eine Beweidung durchgeführt wird. Eine Wanderschafherde weidet seitdem jährlich auf den gering belasteten Bereichen, damit der Boden dort dauerhaft baumfrei bleibt.

Durch die starke Ausbreitung der Kiefer wurde es jedoch notwendig, massiver einzugreifen. Die Biologische Station koordinierte daher im Jahr 2011 mit Unterstützung der StädteRegion Aachen eine groß angelegte forstwirtschaftliche Maßnahme, bei der tausende Bäume vom Forstamt der Stadt Stolberg gefällt wurden. Hierbei fällten die Arbeiter zunächst die Einzelbäume mit der Motorsäge und trennten anschließend das Holz mit Holzerntemaschinen von den Seitenästen. Sowohl die Stämme als auch das Astwerk wurden aus dem Naturschutzgebiet abgefahren, um den seltenen Galmei-Pflanzen wieder mehr Lebensraum zu bieten.

Zwischenzeitlich wurden die freigestellten Flächen wieder durch Kräuter und Gräser besiedelt. Eine wichtige Aufgabe für die nächsten Jahre wird auch hier das zurückdrängen der Baumsämlinge sein.

Aber auch die Nutzung des Geländes durch die Bevölkerung sorgt für eine Belastung des Naturschutzgebietes. Der Schlangenberg war mit unzähligen Trampelpfaden durchzogen. Es gab kaum noch Areale durch die nicht ständig gelaufen wurde. Eine permanente Beunruhigung durch Mensch und Haustier war die Folge. Bei Kontrollen des Naturschutzgebietes durch die untere Landschaftsbehörde teilten uns die Ortsansässigen mit, dass sie nicht erkennen könnten, wo gelaufen werden darf und wo nicht. Dieses Argument war nicht von der Hand zu weisen…


Infotafeln und Wegesperren

Daher entschieden wir uns zusammen mit der Biologischen Station durch  Informationstafeln sowie einzelne Wegesperrungen zu einer klaren Wegelenkung. Hierdurch sollte die Nutzung weiterhin ermöglicht bleiben, wobei gleichzeitig ruhige Bereiche mit möglichst geringen Störungen geschaffen werden sollten.

Um diese Maßnahmen und auch die zugelassenen Wege deutlich zu machen, wurden drei Infotafeln erstellt. Hierauf sind die wichtigsten Fakten erklärt, seltene Pflanzen und Tiere werden gezeigt und es wird auch erläutert, warum das Naturschutzgebiet nicht überall betreten werden darf.

Zudem haben wir einige Wegesperren aus Holz errichten lassen, um erkennbar zu machen, welche Pfade nicht mehr gegangen werden dürfen. Dabei mussten wir an zwei Stellen unsere ursprünglichen Pläne ändern, weil diese Sperren von den Ortsansässigen nicht akzeptiert wurden. Mit leichten Bauchschmerzen ließen wir einen Weg zu, der durch ein Brutrevier des Baumpiepers verläuft, da dieser Weg offensichtlich benötigt wird.

An anderer Stelle konnten wir aber feststellen, dass ein Weg, den wir anboten, gar nicht genutzt wurde, so dass wir diesen zurücknehmen konnten.

Planung und Realität glichen sich so aneinander an. Aus unserer Sicht sind wir auf einem guten Weg, das Naturschutzgebiet ausreichend zu schützen und doch für die Bevölkerung erlebbar zu lassen.


Das Problem mit den Hunden

Besonders wichtig ist die Anleinpflicht für Hunde. Im Naturschutzgebiet Schlangenberg sind viele Spaziergänger mit ihren Hunden unterwegs. Frei laufende Hunde schrecken vor allem im Frühjahr Vögel auf, die auf dem Boden brüten, wie zum Beispiel die streng geschützte Heidelerche. Die Elterntiere können durch die ständige Störung ihr Gelege verlieren oder müssen die Jungen ungeschützt zurücklassen.

Seltene Tierarten sind oft sehr scheu. Sie sollen im Naturschutzgebiet besonders geschützt sein. Frei laufende Hunde können diese Tiere aus ihrem Lebensraum vertreiben und damit den Fortbestand stark gefährden.

Der Wunsch vieler Hundehalter, ihrem Haustier auch einmal freien Auslauf zu gönnen, ist absolut verständlich. In einem Naturschutzgebiet geht das jedoch nicht, denn hier steht der Schutz der in ihrem Bestand gefährdeten Tiere und Pflanzen an erster Stelle.
 

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