StädteRegion Aachen. Nach zwei Jahren haben die Projektpartner jetzt das INFRAH-Projekt (Integrales Frühwarnkonzept und Informationssystem zur Hochwasservorhersage und -bewältigung für die StädteRegion Aachen) abgeschlossen. Im INFRAH-Projekt ist ein KI-Überflutungsvorhersagesystem für das gesamt Gebiet der StädteRegion Aachen entwickelt worden. Es rechnet in Echtzeit rund 20 verschiedene Berechnungsmodelle zu prognostizierten Niederschlägen in präzise Überflutungsvorhersagen um. „Wir können damit viel besser, schneller und präziser die Folgen von Starkregen berechnen und so auch bei einem Ereignis viel früher als noch 2021 die Menschen konkret warnen“, fasst Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier es zusammen. Das INFRAH-Projekt ist im Projektzeitraum mit Bundes- und Landesmitteln im Gesamtumfang von rund 380.000 Euro gefördert worden und geht jetzt in die dauerhafte Nutzung über. Das System ist gemeinsam mit allen zuständigen Stellen rund um das Thema Starkregen und Hochwasser entwickelt worden, bewusst auch mit dem Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft der RWTH Aachen. Der Institutsleiter Professor Holger Schüttrumpf sieht ein Alleinstellungsmerkmal: „Es ist uns hier gelungen, den aktuellsten Stand der wissenschaftlichen Theorie enorm schnell in die Praxis umzusetzen. Eine Praxis, die letztendlich schnellere Warnungen ermöglicht und damit einhergehend auch Leben retten kann.“

Starkregen und Hochwasser zählen zu den größten Klimarisiken in NRW. Die StädteRegion Aachen war 2021 massiv von der Hochwasserkatastrophe nach dem Starkregen – insbesondere in Eschweiler, Stolberg, Kornelimünster und Mulartshütte betroffen.
Die Notwendigkeit eines frühzeitigen, verlässlichen und verständlichen Warnsystems wurde durch 2021 überdeutlich. Das INFRAH-Projekt leistet ab sofort genau das. „Ganz konkret hilft INFRAH den Einsatzkräften. Sie müssen nun nicht mehr warten, bis etwas passiert ist, um zu dem Ort gerufen zu werden, sondern sie erfahren vorab, wo in Kürze etwas passieren wird, können schon vor Ort sein und dort viel effektiver agieren“, bringt Professor Schüttrumpf den Nutzen auf den Punkt.

Das System ist deutschlandweit eines der ersten Projekte, das KI-basierte Überflutungsmodelle praxisnah in kommunale Strukturen integriert. Sobald angekündigte Niederschläge einen gewissen Schwellenwert überschreiten, läuft das KI-Prognosesystem an. „Wir könnten es auf den verschiedenen in Deutschland stehenden Servern auch immer laufen lassen, das System ist aber sehr mächtig und verbraucht auch viel Strom. Das macht bei klarem Himmel tatsächlich keinen Sinn, sondern erst, wenn viel Regen erwartet wird“, sagt Dr. Julian Hofmann, der das System entwickelt hat.  

Das INFRAH-Projekt hat übrigens schon bei verschiedenen Starkregenereignissen in 2025, die zum Glück alle relativ harmlos verlaufen sind, sehr genaue Prognosen geliefert. Zudem hat das System auch in der großen Hochwasserübung „Dunkle Wolken“ Ende 2025 den Härtetest bestanden. „Katastrophenschützer und Hilfskräfte müssen bei uns jetzt nicht mehr aufgrund von Bauchgefühl entscheiden, sondern auf Basis von ganz konkreten Prognosen, was in einigen Stunden passieren wird“, fasst Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier zusammen.

Kontakt

Amt für Brandschutz, Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz
Kranzbruchstraße 15
52152 Simmerath

Tel: +49 241 5198-3888