StädteRegion Aachen. Schlafstörungen, Schulverweigerung, Ängste bis hin zu Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen – das sind nur einige der möglichen Auswirkungen sexueller Übergriffe im digitalen Raum. Die Fachberatungsstellen bei sexueller Gewalt in der StädteRegion Aachen verzeichnen einen Anstieg an Anfragen in diesem Bereich. „Etwa ein Viertel unserer Fälle hat einen Bezug zu sexueller Online-Gewalt – Tendenz steigend“, erklärt Sabine Rommel, pädagogische Leiterin der Fachstelle gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen beim Amt für Kinder, Jugend und Familie der StädteRegion Aachen. „Insbesondere der unbegrenzte, ungefilterte und unbegleitete Zugang zu digitalen Medien kann eine Vielzahl von Gefahren mit sich bringen“, so Sabine Rommel weiter. Die Arbeit der Fachstellen trägt dazu bei, Kindeswohlgefährdungen durch sexuelle Gewalt (nicht nur im Netz) zu vermeiden und adäquate Hilfen zum Wohl der Kinder anzubieten oder zu vermitteln. Mit vier Anlaufstellen in Aachen, Alsdorf, Herzogenrath und Stolberg ist die StädteRegion Aachen in diesem schwierigen Themenbereich sehr gut aufgestellt. So konnten in 2025 durch Präventionsmaßnahmen an KiTas und Grundschulen in der StädteRegion insgesamt ca. 2.699 Kinder, 520 Eltern sowie 394 Lehr- und pädagogische Fachkräfte erreicht werden.

Zusätzlich wurden in den städteregionalen Fachstellen und der Fachstelle des Vereins zur Förderung der Caritasarbeit (VFC) insgesamt 217 Kinder und Jugendliche oder deren Bezugssysteme unterstützt. Fachberatung innerhalb von Einrichtungen erhielten insgesamt 239 Fachkräfte. Ihnen kommt eine zentrale Rolle bei der Früherkennung von Anzeichen sexueller Gewalt zu, insbesondere in Schulen und Kitas. Als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren tragen sie das Wissen in ihre Schulen und Kitas weiter und können in Akutsituationen angemessen handeln oder sich fachlich durch die Beratungsstellen begleiten lassen.

Die Risiken im digitalen Raum bringen neue, komplexe Herausforderungen mit sich. Die bestehenden Schutz- und Präventionsmaßnahmen werden deshalb laufend angepasst, denn das Thema ist vielfältig:

  • Cybergrooming: Täterinnen und Täter nutzen soziale Netzwerke, Gaming-Plattformen und Messenger, um anonym Vertrauen aufzubauen und Kinder dann zu sexuellen Handlungen zu manipulieren (im Netz oder im realen Leben).
  • Cybermobbing: Beleidigungen und Hänseleien verbreiten sich rasant über soziale Netzwerke und bleiben dort öffentlich sichtbar. Der digitale Raum bietet keine Rückzugsmöglichkeiten und wird zu einem Ort der ständigen Erreichbarkeit und des ständigen Drucks.
  • Digitale sexualisierte Peergewalt: Intime Bilder von Minderjährigen werden ohne deren Zustimmung beispielsweise als Racheakt oder Demütigung in Klassenchats verschickt. Diese digitale Bloßstellung trifft junge Menschen in einer extrem verletzlichen Phase und kann schwere psychische Belastungen auslösen.

„Es ist wichtig, über die Gefahren zu informieren, einen gefahrlosen und respektvollen Umgang im Netz zu fördern und der Normalisierung von Gewalt unter Jugendlichen entgegenzuwirken“, fasst Sabine Rommel zusammen. Eine zentrale Aufgabe der Fachstellen bei sexueller Online-Gewalt ist die Begleitung Betroffener und deren Bezugspersonen durch pädagogische Fachkräfte mit therapeutischer Weiterbildung.  Dabei ist auch rechtliche Expertise erforderlich - etwa zur strafrechtlichen Einordnung - sowie technisches Know-how zu Zugangs- und Nutzungsbeschränkungen.

Durch Prävention sollen Kinder im Grundschulalter frühzeitig sensibilisiert werden – unter anderem mit dem Theaterstück „Bauch über Kopf“ in Kooperation mit dem Grenzlandtheater Aachen. Es motiviert und stärkt Kinder mit Spiel, Spaß und Gesang für einen selbstbestimmten Umgang mit ihren Gefühlen und ihrem Körper. Für Gefahren im Netz sensibilisiert das Projekt „Kinder stark machen“ unter anderem mit dem Projektmodul „Ich weiß Bescheid im Internet“. Hier werden Kinder der 3. und 4. Klassen geschult, sich sicher im Internet zu bewegen und bei einem komischen Bauchgefühl Hilfe zu holen. Für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen als Täterinnen und Täter mit sexuell grenzverletzendem Verhalten soll im Sommer ein neues spezialisiertes Angebot zur Rückfallprävention an den Start gehen.

Weitere Informationen zur Fachstelle gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen beim Amt für Kinder, Jugend und Familie bei der StädteRegion Aachen sind hier zu finden: https://www.staedteregion-aachen.de/beratung-bei-sexueller-gewalt. Ansprechpartnerin ist Sabine Rommel (sabine.rommel@staedteregion-aachen.de).

Kontakt

Fachstelle sexuelle Gewalt
Zollernstraße 10
52070 Aachen