StädteRegion Aachen. Rund 1,1 Millionen Menschen leben im Einzugsgebiet der Rur. Wie kann Hochwasserschutz in diesem Gebiet so organisiert werden, dass er für alle möglichst gerecht ist? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Forschungsprojekt „FloodJustice“ und untersucht die räumlichen Ungleichheiten im Hochwasserrisikomanagement. So will man die Akzeptanz für Maßnahmen zum Hochwasserschutz steigern und gleichzeitig die Klimaresilienz in der Region stärken. FloodJustice wird gemeinsam von der TU Dortmund (Lehrstuhl Regionalentwicklung und Risikomanagement), der RWTH Aachen (Lehrstuhl und Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft), der StädteRegion Aachen und dem Wasserverband Eifel-Rur umgesetzt. Jetzt hat es im Haus der StädteRegion Aachen den offiziellen Startschuss zu dem wichtigen Projekt gegeben, das noch bis Ende 2028 laufen wird. Die Gesamtkosten betragen mehr als 3,1 Millionen Euro. Es wird zu 90 Prozent mit EU- und Landesmitteln gefördert.

FloodJustice analysiert, wie Hochwasserrisiken, Schutzmaßnahmen sowie damit verbundene Lasten und Nutzen räumlich und sozial verteilt sind. Im Mittelpunkt stehen unterschiedliche Dimensionen von Ungleichheit. Beispielsweise müssen Orte, die flussaufwärts liegen, häufig Rückhaltebecken finanzieren oder auch Überschwemmungsbiete zur Verfügung stellen, damit weiter flussabwärts gelegene Orte geschützt sind. FloodJustice untersucht, wie solche Unterschiede ausgeglichen werden können – etwa durch einen finanziellen Ausgleich. 
Aber auch soziale Aspekte spielen eine wichtige Rolle: Manche Menschen sind stärker von Hochwasser betroffen als andere. Etwa weil sie in besonders gefährdeten Gebieten wohnen oder weniger Möglichkeiten haben, sich selbst zu schützen. Das Projekt möchte aufzeigen, wie Hilfen und Gelder gerechter verteilt werden können.
Der Koordinator Hochwasserrisikomanagement, Sander Luttterbach, bringt es so auf den Punkt: „Hochwasserschutz ist dann erfolgreich, wenn er gerecht ist. Mit FloodJustice identifizieren wir räumliche Ungleichheiten und entwickeln mit dem Gerechtigkeitscheck ein Werkzeug, das Solidarität messbar macht. So ebnen wir den Weg für einen fairen Ausgleich zwischen denjenigen, die Schutz bieten, und jenen, die davon profitieren.“

Methodisch wird genau untersucht, wo Hochwasser besonders gefährlich werden kann, welche Gebiete und Menschen betroffen sind und wie gut sie sich davor schützen können. Diese Informationen werden ausgewertet und auf dieser Grundlage entsteht ein wissenschaftlich entwickelter „Gerechtigkeitscheck“. Er soll dabei helfen, Unterschiede sichtbar zu machen und künftig besser zu berücksichtigen. So beispielsweise bei der Planung von Schutzmaßnahmen oder der Verteilung von finanziellen Mitteln. 
Geplant ist anschließend eine praktische Anwendung der Ergebnisse durch den Wasserverband Eifel-Rur. Gemeinsam soll in der Region ein Vorschlag für eine gerechtere Verteilung von Lasten und Nutzen im Hochwasserschutz erarbeitet werden. Das soll dann künftig direkt in den Planungsprozessen berücksichtigt werden. Damit wandert das Projekt von der Theorie an den Hochschulen in die Praxis vor Ort.

Ein projektbegleitender Beirat unterstützt FloodJustice fachlich. Vertreten sind unter anderem das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, die Bezirksregierung Köln, das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen, die Stadt Aachen, die Kreise Düren, Heinsberg und Euskirchen sowie weitere Behörden und kommunale Akteure aus den Bereichen Wasserwirtschaft, Umwelt- und Bevölkerungsschutz.

Das Projekt „FloodJustice“ wird von der Europäischen Union und dem Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen des EFRE-Programms Regio Transformation NRW kofinanziert.
 

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