StädteRegion Aachen. Das Kommunale Integrationszentrum der StädteRegion Aachen (KI) initiiert gemeinsam mit der Stadt Eschweiler, der Volkshochschule Eschweiler (VHS) sowie den Betreuungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche der Stadt Eschweiler (BKJ) ein Modellprojekt zur Gewinnung zugewanderter pädagogischer Fachkräfte mit internationalen Studienabschlüssen. Die Qualifizierung dauert rund sechs Monate und kann sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit absolviert werden.

„Wir freuen uns sehr, dass das Projekt jetzt startet. Es steckt viel Arbeit darin, und wir hoffen natürlich, dass die Teilnehmenden dadurch ihre Erwerbsbiografie fortführen können und wir andererseits mit ihnen Fachkräfte für unsere Kitas gewinnen, die die Kinder in ihrer Entwicklung stärken“, erklärt die Erste Beigeordnete der Stadt Eschweiler, Dana Duikers. Und Jan Röder, Leiter des Kommunalen Integrationszentrums der StädteRegion Aachen, ergänzt: „Es gibt ein enorm großes Potenzial an zugewanderten Menschen, die zum Beispiel geflüchtet sind oder auf sonstigen Wegen in die StädteRegion eingereist sind, die unterhalb ihrer Qualifikationen arbeiten - besonders im Bereich Kita, Bildung, Erziehung, Schule und OGS. Hier versuchen wir, mit dem Projekt unseren Beitrag zu leisten und Menschen Wege aufzuzeigen.“

Röder und Duikers hatten die Idee zum Projekt beim gemeinsamen Familienfest der Stadt Eschweiler und der StädteRegion Aachen im vergangenen Jahr am Blaustein-See. „Dort haben wir uns darüber unterhalten, dass wir einerseits einen Fachkräftemangel in den Kitas haben und andererseits qualifizierte Frauen mit Migrationshintergrund erhebliche Schwierigkeiten haben, auf dem Arbeitsmarkt richtig Fuß zu fassen. Wir haben überlegt, ob und wie wir das zusammenbringen können“, erklären die beiden.

Zum Auftakt des Projektes gab es jetzt ein „Meet and Greet" im Kirschenhof in Eschweiler. Hier hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, noch offene Anliegen zu klären und alle Beteiligten kennenzulernen. An Informationsständen standen die BKJ, die VHS und das KI für den persönlichen Austausch zur Verfügung. Der erste „Schultag“ an der VHS Eschweiler ist am 22. September. Insgesamt gibt es zwölf Plätze.

Im Projekt werden vorhandene Abschlüsse geprüft und die Teilnehmenden vom Case Management der StädteRegion Aachen bei allen offiziellen Wegen begleitet. Die Qualifizierung umfasst insgesamt 160 Stunden. Ergänzend gewinnen die Teilnehmenden praktische Erfahrungen bei Praktika in Kitas in Eschweiler. Während des gesamten Projekts werden sie fachlich von der BKJ und dem Kommunalen Integrationszentrum unterstützt und beraten. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten sie ein Zertifikat und können als pädagogische Fachkräfte in regionalen Bildungseinrichtungen arbeiten. Voraussetzungen für die Teilnahme sind Deutschkenntnisse (mindestens B2 mündlich und schriftlich oder nach individueller Vereinbarung) sowie praktische Berufserfahrung in relevanten Bereichen (zum Beispiel Frühkindliche Bildung, Pädagogik oder therapeutische Fachberufe).

Das Projekt richtet sich konkret an:
·    Absolventinnen und Absolventen von ausländischen Studiengängen in pädagogischen Bereichen (zum Beispiel Lehramt, Pädagogik, Musikpädagogik und andere Bildungswissenschaften) 
·    Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung (zum Beispiel Logo-, Ergo-, Physiotherapeutinnen und -therapeuten sowie in therapeutischen Bereichen)
·    Interessierte Personen aus der Personengruppe, die unter die Ausnahmegenehmigung nach § 9 Abs. 1 der Personalverordnung fallen.

Die ersten Teilnehmenden haben ihre Abschlüsse in der Türkei, im Iran, in Nigeria, der Ukraine oder Albanien gemacht. „Wir haben sogar eine Schulrätin dabei, andere haben Pädagogik studiert und sind dann aufgrund ihrer Flucht- und Migrationsgeschichte andere Wege gegangen oder hatten vielleicht auch hier eine Familienphase und steigen jetzt wieder ein“, erklärt Jan Röder. „Wenn wir dieses Potenzial nicht nutzen würden, wäre das eine Verschwendung“, so Dana Duikers. Beide hoffen, dass das Pilotprojekt in Eschweiler ein Erfolg wird und weitere Kommunen dem Beispiel folgen werden.