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Jürgen Klauke (*1943) zählt zu den wichtigsten deutschen Foto-, Medien- und Performancekünstlern. Im Bereich der Body Art und der inszenierten Fotografie hat er Wegweisendes geleistet. Für seine besonderen Verdienste erhält Jürgen Klauke den diesjährigen Kunstpreis des Fotografie-Forums. Vom 8. November bis zum 20. Dezember zeigt eine begleitende Ausstellung die Bandbreite seines fotografischen Schaffens.
In diesem Jahr vergeben wir zum dritten Mal den Kunstpreis für Fotografie. Einmal mehr geht er an einen international renommierten Künstler, der das Medium der Fotografie entscheidend beeinflusst hat.
„Jürgen Klauke hat die deutsche Kunstwelt nachhaltig geprägt. Bereits seit den frühen 1970er-Jahren, einer Zeit, in der die Kunst- und Theoriediskurse noch nicht von Körperkunst und Gender Studies bestimmt waren, untersuchte er die von unserer Kultur vorgeprägten sexuellen Grund- und Verhaltensmuster.“
Dr. Nina Mika-Helfmeier (Kuratorin der Ausstellung)
Jürgen Klauke schaut auf eine lange Karriere zurück. 1943 in Kliding bei Cochem geboren, studierte er 1964 bis 1970 freie Grafik an der Kölner Fachhochschule für Kunst und Design und erhielt dort direkt im Anschluss einen Lehrauftrag bis 1975. Bereits 1973 gewährte ihm das Rheinische Landesmuseum in Bonn eine erste Einzelausstellung. Für die Realisierung seiner künstlerischen Visionen setzt Jürgen Klauke zumeist den eigenen Körper ein, so wie in den Schlüsselwerken aus der Reihe Transformer, die Anfang der 1970er-Jahre entstanden, in denen der Künstler die etablierten Geschlechtsidentitäten dekonstruiert. Mit seinem Körper als Bildmaterial schuf er inszenierte Fotografien, die weit über das Selbstporträt hinausgehen. Diese in der Ausstellung zu sehenden Arbeiten gelten als wegweisender Meilenstein der Body Art und der früheren konzeptionellen Fotografie. Auch dem mehrteiligen Tableau Masculin/Feminin I aus dem Jahr 1974, das das Spiel mit den Geschlechtern – oder vielmehr den vermeintlichen Eigenschaften, die ihnen zugeschrieben werden – zeigt, widmet sich die Ausstellung.
Mit Beginn der 1980er-Jahre wandte sich der Künstler grundlegenden Fragen des menschlichen Daseins zu, die das Individuum mit all seinen Unzulänglichkeiten und Abgründen in den Fokus stellen. Der fortschreitenden Ästhetisierung unserer Lebenswelt begegnet Klauke, so seine eigenen Worte, mit einer „Ästhetisierung des Existenziellen“. Mit seinen komplexen Werkblöcken zu den Grundfragen menschlicher Existenz setzt Jürgen Klauke seit jeher Maßstäbe in der Kunst.
Leben, Tod und Sexualität bilden eine zentrale thematische Konstellation in Jürgen Klaukes Werk.
Seine seit 2019 entwickelte fotografische Serie Bodysounds, die im Fotografie-Forum erstmals in diesem Kontext präsentiert wird, greift diese wiederkehrenden Motive auf und überführt sie in eine neue Bildsprache. Damit setzt Klauke seine Auseinandersetzung mit den Bedingungen menschlichen Daseins, dessen existenziellen Herausforderungen und Abgründen fort.Ein besonderes Highlight der Ausstellung ist ein Konvolut aus Polaroids, die fünf Jahrzehnte nach ihrer Entstehung zum ersten Mal im musealen Rahmen ausgestellt werden. Die seit den 1960er-Jahren entstandenen Aufnahmen waren zunächst als fotografische Testreihen gedacht. In ihnen zeigen sich Klaukes Pioniergeist und seine künstlerische Herangehensweise, die immer wieder die Grenzen des fotografischen Mediums austestet. Die Polaroids eröffnen so ungeahnte Einblicke in die Arbeitsweise des Künstlers. Zeitgleich mit der Ausstellung erscheint die von Steffen Siegel (Professor für Theorie und Geschichte der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste) herausgegebene Publikation Sofortbilder, die sich eingehend mit Klaukes Polaroids beschäftigt, im Distanz Verlag.
Jürgen Klauke lebt und arbeitet in Köln. Er lehrte an zahlreichen Hochschulen für bildende Künste, u. a. in Hamburg, München, Kassel und Essen, wo er eine Klasse für inszenierte Fotografie und Performance einrichtete. Anschließend folgte er dem Ruf der Kunsthochschule für Medien Köln. Sein Werk war Gegenstand von Einzelausstellungen in Museen und anderen Institutionen, darunter das ZKM in Karlsruhe; das Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam; das Museum Ludwig, Köln; die Nationalgalerie und die Staatlichen Museen zu Berlin; das Maison Européenne de la Photographie, Paris; das Museum der Moderne Salzburg; die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden; das Museum für Moderne Kunst, Saitama, Japan; die Kunsthalle Bielefeld; die Bundeskunsthalle Bonn und das Staatliche Russische Museum St. Petersburg. Auch an internationalen Ausstellungen wie der Documenta in Kassel (1977, 1987), der Biennale von Venedig (1980) und bedeutenden Gruppenausstellungen an Institutionen wie dem Solomon R. Guggenheim Museum in New York nahm Klauke teil, ebenso im Museum of Modern Art, New York; im Centre Pompidou, Paris; in der Neuen Nationalgalerie, Berlin; im Museum of Contemporary Art, Los Angeles; im Tate Liverpool und anderen namhaften Häusern. 2017 war sein zeichnerisches Werk Gegenstand einer Retrospektive im Max Ernst Museum Brühl.
Der Kunstpreis wird alle zwei Jahre in Kooperation des Fördervereins des Fotografie-Forums und der StädteRegion Aachen vergeben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und zeichnet Fotograf_innen aus, die ein besonderes Lebenswerk aufweisen und einen wichtigen Beitrag zur Etablierung der Fotografie als neuer Kunstform geleistet haben bzw. leisten. Als Erste erhielt Barbara Klemm den Preis im Jahr 2023, Helga Paris wurde er 2024 posthum verliehen.
Nach dem Grußwort und der Laudatio, vorgetragen von Herrn Dr. Tim Grüttemeier (Städteregionsrat) und Frau Nina Mika-Helfmeier (Kuratorin der Ausstellung), haben Sie die Gelegenheit, bei einem Gespräch zwischen Jürgen Klauke und Prof. Dr. Stephan Berg, ehem. Intendant des Kunstmuseums Bonn und Kurator, mehr über das beeindruckende Werk des Künstlers zu erfahren.