StädteRegion Aachen.  „Der Umgang mit Bäumen war mal selbstverständlicher. Ich würde mir wünschen, dass das wieder mehr in den Mittelpunkt rückt“, erklärt Alexander Lehnen. Er setzt als öffentlich bestellter Gutachter im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde der StädteRegion Aachen Naturdenkmalkontrollen um. So wird zum Beispiel in Herzogenrath die große Esskastanie im Volkspark Merkstein auf Verkehrssicherheit und Schädlingsbefall überprüft. Mit einem Hubsteiger geht es für die Kollegen einer Fachfirma, Maximilian Stephan und Alexander Bunn, auf einer 30 Meter hohen Arbeitsbühne bis hinauf in die Baumkrone. Sie entfernen unter anderem Totholz und Äste, die die Sicherheit von Spaziergängerinnen und Spaziergängern gefährden könnten. Unterstützt werden sie dabei von Mitarbeitenden der Lebenshilfe Aachen.

„Insgesamt werden aktuell rund 200 Naturdenkmale in der StädteRegion Aachen kontrolliert. Darunter einzelne Bäume wie diese Esskastanie, aber auch eine Allee mit mehr als 70 Bäumen sowie Waldbereiche, die als Fläche geschützt sind“, erklärt Iris Heinrichs von der Unteren Naturschutzbehörde der StädteRegion Aachen. Die Esskastanie im Volkspark Merkstein gehörte ursprünglich zu einer Zweiergruppe. Der zweite Baum musste bereits in den 1970er Jahren gefällt werden. Die noch vorhandene imposante Esskastanie steht trotz der Trockenheit in diesem Sommer gut da. „Vor ein paar Jahren habe ich sie mit einem Vitalisierungsmittel behandeln lassen, was sie sehr gut angenommen hat“, freut sich Iris Heinrichs.

Vom Boden aus haben Alexander Lehnen und sein Team bereits einen sogenannten Pilzfruchtkörper im Blick, der der Esskastanie schon seit mehreren Jahren zusetzt. „Der Schwefelporling sitzt auf dem Kernholz des Baumes und führt zu einer Holzfäule. Für uns ist es wichtig zu kontrollieren, wie weit die Fäule fortschreitet“, erklärt Lehnen. Denn Holz hat einen hohen ökologischen Wert, auch wenn es bereits abgestorben ist. Es bietet Lebensraum für Käferarten, Vögel, Fledermäuse und weitere Tiere. Deshalb ist es wichtig, selbst stark beschädigte Bäume so gut es geht zu erhalten. Alle Schäden und Schadsymptome an den Naturdenkmalen in der StädteRegion Aachen werden protokolliert und eingeschätzt sowie weitere Maßnahmen eingeleitet. Diese reichen von einer speziellen Düngung, über den Einbau von Seilen zur Sicherung von Kronenteilen bis hin zu einer aufwändigen Kronenpflege.

Die prachtvolle und mehrere hundert Jahre alte Esskastanie im Volkspark Merkstein ist bereits seit 1959 in die Naturdenkmalliste aufgenommen. „Ich freue mich, hier einen so vitalen Baum zu sehen“, erklärt Iris Heinrichs am Ende der Naturdenkmalkontrolle. Weitere Maßnahmen müssen deshalb an der Esskastanie nicht vorgenommen werden.

Hintergrund
Als Naturdenkmale werden gemäß Bundesnaturschutzgesetz Einzelschöpfungen der Natur festgesetzt, soweit ihr besonderer Schutz aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit erforderlich ist. Sie sind in der Regel durch kleine Aluminiumschilder am Stamm gekennzeichnet. Da die Bäume streng geschützt sind, dürfen auch Eigentümer nur Maßnahmen vornehmen, wenn eine unmittelbar drohende Gefahrensituation besteht oder wenn die Maßnahmen vorher mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt worden sind. 
 

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